Wo Licht den Schatten besiegt

Meine Zeit in Gambia (Teil 1)

In dieser Kategorie werde ich versuchen, einige meiner Erlebnisse aus meiner Zeit als Entwicklungshelfer in Gambia zu erzählen. Mein zweijähriger Aufenthalt dort, macht mich nicht zu einem Experten, deshalb sei an dieser Stelle gesagt, daß die Geschichten meine persönliche Einschätzungen und Empfindungen wiedergeben. Wer Zahlen, Daten Fakten sucht, ist besser bei Wikipedia aufgehoben

Am Anfang meiner kleinen Reise in die Vergangenheit, möchte ich mich an meinen beeindruckensten  Moment in Afrika.erinnern.  Es war einer der ersten Tage meines Aufenthalts, wir waren mit Amtsgängen und jeder Menge Administrativen Dingen in der Hauptstadt Banjul beschäftigt. Erschöpft von der Lauferei in der gleißenden Sonne und dem ewige Warten in den stickigen Bürogängen suchten wir ein schattiges Lokal in einer nicht weniger geschäftigen Nebenstraße auf. Dort auf einem gallerieartigen Balkon, hatte ich einen schönen Überblick über das Leben auf der Straße.

Im strahlenden Sonnenlicht, dass bis in die hinterste Ecke zwischen den Häusern den Schmutz und Abfall der Straße beleuchtete, bewegte sich eine Masse aus Menschen und Fahrzeugen aller Art, mal in diese, mal in die andere Richtung. Wobei die Autodächer mehr als weiß, beige Inseln statisch in der Menge schwammen, das auffälligste waren aber die bunten Gewänder der Frauen die schwer beladen mit Körben voller Waren auf Köpfen im gleißenden Licht leuchten wie Blumen in einem  Meer aus Staub und Müll. Diese Schönheit der Farben überdeckt das ganze Ausmaß der ärmlichen, heruntergekommenen Kolonialpracht.

Ich saß also auf diesem Balkon, schwebend über dieser wunderschönen Scene aus Gegensätzen und betrachtete das Leben,  wie ich es nie kannte. Unbeteiligt und doch mittendrin, fühlte ich mich plötzlich genau am richtigen Ort. Ich gehörte dazu, auch wenn ich ein Fremder war.Ich war Teil dieser Mischung und ohne meine Anwesenheit wäre es nicht das gleiche gewesen. Dieser perfekte Moment an diesem perfekten Ort ist die wichtigste Erinnerung die ich an meine Zeit dort habe. Manchmal wenn ich eine annähernd perfekte Situation erlebe glaube ich den Geruch von damals wahrzunehmen, diesen Duft aus Schweiß, Staub und Abgasen gepaart mit Gewürzen und Rauch.

Es gibt diesen Spruch, dass Afrika einen niemals wieder loslässt, heute verstehe ich was damit gemeint ist und denke mit großer Genugtuung an die Zeit zurück.

Diese Farben in den Straßen, diese Mischung aus Erde und Staub mit bunten Gewändern und strahlendem Sonnenlicht haben mich immer begleitet, sei es tief im Busch, entlang des Gambia-River und auch im Winter in Deutschland auf Heimaturlaub.

All die Fakten die wir über Afrika wissen, oder glauben zu wissen, sind objektiv richtig. Hunger, Armut, Gewalt, Korruption, Ausbeutung und Unterdrückung, alles sehr schlimm aber die Schönheit der subjektiven Empfindung und die Herzlichkeit der Menschen verdrängt die Probleme vollkommen.

Sicher, werden einige sagen : „Gambia, eine vorzeige Demokratie ohne all die Probleme. Wenn man in die richtigen Länder reist dann sieht man schon die hässliche Fratze all der afrikanischen Probleme“. Auch richtig, aber wenn man in die „richtigen“ Ecken in Europa reist, sieht man auch hässlichen Seiten , trotzdem würde niemand sagen, das Europa nur aus Problemen besteht.

Ich habe, trotz der Armut, der verfallenden Häuser und Straßen, all dem Schmutz und Müll, den korrupten Staatsbediensteten, Afrika gesehen und es war beeindruckend und wunderschön.

 

 

 

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